Linz wird zur begehbaren Zeitmaschine
Warum bleiben Pionierinnen*, die Linz maßgeblich geprägt haben, in Archiven und im kollektiven Gedächtnis auch 2025 noch immer weitgehend unsichtbar? Aus dieser Frage entstand der Augmented-Resistance-Walk: ein immersiver Stadtrundgang, der Orte, Geschichten und Biografien bedeutender Linzer Pionierinnen* verknüpft und die Spielenden aktiv teilhaben lässt. So verändert sich nicht nur der Blick auf die Stadt – die Spieler:innen selbst werden Teil der Erzählung, in der Vergangenes und Gegenwärtiges zusammenfinden.
Stellen Sie sich vor: Mitten am Linzer Hauptplatz beginnt eine virtuelle Zeitreise, es spricht Sie Marie Beutlmayr an, die erste Linzer Gemeinde-rätin. Sie benötigt dringend Hilfe: Wichtige Unterlagen sind verschwunden. Wie können Sie helfen?
Seit Oktober 2025 ist dieses Szenario in Linz Realität: Über das Smartphone begegnen wir Linzer Frauen* aus unterschiedlichen Epochen genau dort, wo sie einst gewirkt haben. Möglich wird das durch die so genannte „Augmented Reality“ (AR): Die Spielfiguren erscheinen als digital erzeugte Charaktere direkt im Kamerabild des Smartphones und kehren so sichtbar in den öffentlichen Raum zurück. So verändert sich nicht nur der Blick auf die Stadt, die Spielenden selbst werden Teil der Erzählung, in der Vergangenes und Gegenwärtiges zusammenfinden. Die Augmented Reality wird dabei zur Augmented Resistance, zum widerständigen Stadt-spaziergang auf den Spuren der kämpferischen Frauen* von Linz. Dafür benötigt es lediglich ein Smartphone oder Tablet mit Kamerafunktion und Internetverbindung so wie einen aktuellen Webbrowser. Es ist keine spezielle App erforderlich.
Immersive Narrative und reale Kämpfe
Der Ursprungsgedanke für die Entwicklung des zugrundeliegenden Spiels war folgender: Ein geleiteter Spaziergang erfordert die Anwesenheit der Leitung und der Teilnehmenden an einem bestimmten Ort zu einer fixen Uhrzeit – ein Game tut das nicht. Eine weitere Initialzündung war der weltweite Hype um das Handy-Spiel „Pokémon GO“: Auf der ganzen Welt standen Menschen in Massen vor bestimmten Gebäuden und „Spots“, um Spielfiguren zu finden, zu sammeln und mit ihnen zu interagieren. So war die Idee geboren, die Auseinandersetzung mit Frauengeschichte, die in der derzeitigen Form eher von einer Generation im Alter über 30 Jahren praktiziert wird, generationsübergreifend auch für ein jüngeres Publikum greifbar zu gestalten.
„WebAR, Three.js, Babylon und aktuelle KI-Entwicklungen haben dazu beigetragen, dass die Vision zu diesem Spiel 2025 endlich realisiert werden konnte. Es geht um weit mehr als reine Sichtbarmachung: Die Spieler*innen teilen auch die Erfahrungen und Lebens-welten der dargestellten Protagonistinnen, folgen Hinweisen und müssen Probleme lösen. Die Stadt selbst wird dabei zum Museum, das 24/7 geöffnet hat", erklären Oona Valarie und Ufuk Serbest, die das Spiel für FIFTITU% entwickelt haben.
Der Stadtraum als immersives Archiv
Die Beschäftigung mit den Frauengeschichten von Linz führt an bestimmte Orte, die biographisch bestimmt sind – die Küchenhilfe führt beispielsweise zum Hotel, die Schiffsbauerin zur Donau, die Gemeinderätin ins Rathaus. Spiele haben eigene Regeln für Orte: Während die biografischen Schauplätze über die ganze Stadt verteilt sind, bildet der Linzer Hauptplatz mit der Innenstadt den zentralen Ausgangspunkt. Hier bündeln sich unter-schiedliche Leben, Ereignisse und Epochen. Die Spielenden tauchen direkt ein und erleben Geschichte und Geschichten, wie beispielsweise: Am 12. Oktober 1915 - drei Jahre vor Inkrafttreten des Frauenwahlrechts - mobilisierte Marie Beutl-mayr rund 1.000 Frauen zu einer Demonstration am Franz-Joseph-Platz, dem heutigen Linzer Hauptplatz und löste damit eine kleine politische Revolution aus.
Das wussten Sie gar nicht? Mit dem AR-Walk will FIFTITU% Wissenslücken wie diese in der Linzer Stadt-geschichte schließen. Wie jene von Maria Lüftenegger (1784-1850), erste Linzer Schiffsmeisterin, erfolgreiche Unternehmerin, bahn-brechende Visionärin. Nach ihr ist die Linzer Lüftenegger-straße benannt, in die Geschichte allerdings ging sie als „Mutter der Armen“ ein. Dabei war Maria Lüftenegger viel mehr als eine wohltätige Witwe. Genau solche historischen Uneindeutigkeiten macht der AR-Walk zum Thema.
So funktioniert's
- Startpunkt aufsuchen: Stellen Sie sich auf den Linzer Hauptplatz (Marie Beutlmayr) oder vor das Lentos Kunstmuseum (Maria Lüftenegger)
- Website aufrufen: Öffnen Sie mit Ihrem Smartphone https://ar-walk.at
- Zugriff erlauben: Um das Spiel spielen zu können, erlauben Sie bitte Kamera- und Standortzugriff
- Level starten: Platzieren Sie die AR-Szene an einem sicheren Ort mit einer Fläche von circa 10 x 10 Metern. Bitte unbedingt Abstand zur Fahrbahn halten und auf den Verkehr achten. Kinder deshalb begleiten.
- Platzieren: Richten Sie die AR-Elemente, die Sie am Smartphone sehen, horizontal passend aus.
- Interagieren: Versuchen Sie mit den Spielfiguren in Kontakt zu treten und hören Sie ihnen zu, um Hinweise im Spiel zu finden.
Dauer: Ca. 10-15 Minuten pro Station
Verfügbarkeit: 24/7
Aktuell spielbare Levels:
- Hauptplatz Linz (Marie Beutlmayr)
- Lentos Kunstmuseum (Maria Lüftenegger)
Mehr unter: https://ar-walk.at