¶BuchFrauen im StrafvollzugHelga Einsele, Gisela Rothe
Zu diesem Buch Frauen sind doppelt bestraft, auch hinter Gefängnismauern. Sie sitzen in den schäbigsten Strafanstalten, erhalten weniger Betreuung, weniger Ausbildung, weniger Freizeitmöglichkeiten als die männlichen Häftlinge. Sie werden bestraft für ihre geringe Zahl, für ihre weibliche Fügsamkeit und dafür, daß ihre Kriminalität im allgemeinen für die Gesellschaft wenig bedrohlich ist. Ihr Unvermögen, mit den Problemen des Lebens fertig zu werden, bringt sie in Haft, und dort verlieren sie, was ihnen noch blieb: den letzten Mut, den Rest an Selbstwertgefühl. Um einen anderen Umgang mit straffälligen Frauen, um Verständnis für ihre schwierigen Lebenswege geht es in diesem Buch. Der Versuch, den Strafvollzug von Grund auf umzudenken, Zuwendung und Vertrauen zur Leitlinie zu machen, wurde dreißig Jahre lang in Frank-furt-Preungesheim praktiziert. War er erfolgreich? Der Versuch, die Frauen wenigstens nach der Haft aufzufangen, sie bei der Suche nach einem besseren Leben zu unterstützen, fordert hohen Einsatz. Lohnt er sich? «Wir konnten am meisten von den Frauen selbst lernen, von den inhaftierten und von den entlassenen, nämlich über das, was sie quält und was sie brauchen» (Helga Einsele). HELGA EINSELE, Dr.jur., geb. 1910, hatte in der Nazi-Zeit Berufs-verbot; von 1947 bis 1975 war sie Leiterin der Frauenstrafanstalt in Frankfurt-Preungesheim, nach 1974 Honorarprofessor für Kriminologie und Strafvollzug an der Universität Frankfurt. Sie erhielt hohe Auszeichnungen für ihr Bemühen um die Humanisierung des Straf-vollzugs. GISELA ROTHE, Diplom-Pädagogin, geb. 1950, arbeitet seit fünf Jahren in der Beratungsstelle für straffällige Frauen in Frankfurt, ist aktives Mitglied der Frauenbewegung.