Offener Brief - Rückblick Festival 4020 und LINZFEST 2011

Gespeichert von admin am Do., 06/30/2011 - 22:32

Auch wenn das Festival 4020 und das LINZFEST längst abgeschlossen sind, möchte sich FIFTITU% nochmals hinsichtlich eines reflektierten Rückblicks sowie einer konstruktiven Auseinandersetzung in Bezug auf die musikalische Programmierung zu Wort melden.

Dazu war FIFTITU% zu Gast bei Kartell TV - Noten mit Quoten:
 

FIFTITU% begrüßt die Bemühungen hinsichtlich einer Geschlechtergerechtigkeit im inhaltlichen Teil des Festivals 4020. Zum Beispiel mit Petr Kotiks Komposition „Many Many Women“, die auf einem Text der amerikanischen Schriftstellerin Gertrude Stein basiert. Oder die Uraufführung des Komponisten Ashot Zohrabyan der Liebesgedichte von Herta Kräftner als Grundlage verwendet. Auch im Schwerpunkt Armenien wurde einer Frau gehuldigt: der gefeierten Mystikerin Sahakadukht. Bei genauer Durchsicht des Programms mußte FIFTITU% jedoch feststellen, dass das Festival vorrangig männlich dominiert war. Die Produktions- und Kompositionsaufträge gingen ausschließlich an Komponisten. Das Verhältnis der Interpretinnen und Interpreten war mit 35% zu 65% unausgewogen.

Auch das diesjährige LINZFEST hat bei FIFTITU% regen E-Mailverkehr ausgelöst. Wir bekamen mehrfach Rückmeldungen hinsichtlich der Musikprogrammierung, wobei sich die Kritik hauptsächlich auf die mangelnde Bühnenpräsenz von Künstlerinnen bezog. Vor allem bei der Programmierung der FM4 Bühne würde sich FIFTITU% wünschen, in Zukunft ein ausgewogenes Verhältnis von Künstlerinnen und Künstlern zu sehen und zu hören.

Das Argument, dass es wegen der „großen männlichen Dominanz im Musikbereich“ nicht so einfach wäre Künstlerinnen zu engagieren, ist zu kurz gegriffen und perpetuiert eine männliche Dominanz, die es aufzubrechen gilt. Hier sei das LINZFEST 2008 mit dem Titel „Walk of Fem“ lobend erwähnt, wo die Frauenpräsenz erstmals mehr als zufriedenstellend ausfiel.

Sowohl beim diesjährigen Festival 4020 als auch beim LINZFEST 2011 wurden die Förderkriterien der Stadt Linz, im Speziellen die Frauenförderung, nicht umgesetzt:

„Ihre Förderpolitik richtet sich nach Kriterien wie Innovationskraft, Originalität, Schwerpunktsetzung, Chancengleichheit, Frauenförderung, längerfristige Entfaltungsmöglichkeiten für junge Talente, Erhaltung der kulturellen Vielfalt, hohe Qualität der Traditionspflege und Wahrung des kulturellen Erbes.“ (Leitfaden der Kunst- und Kulturförderung der Stadt Linz, http://www.linz.at/kultur/2270.asp, Stand 30. Juni 2011)

„Die Stadt Linz bekennt sich zur Gleichstellung der Geschlechter, zur Abschaffung von frauenspezifischen Diskriminierungen und verpflichtet sich zur Erfüllung der Zielsetzungen des EU-Vertrages in allen kulturpolitischen Konzepten unter Bedachtnahme auf die Vorgaben des OÖ Gemeindegleichbehandlungsgesetzes.“ (Kulturentwicklungsplan 2000, http://www.linz.at/kultur/kep/K-Symm.htm#Gen, Stand 30. Juni 2011)

FIFTITU% würde es sehr begrüßen, wenn die Musikprogrammierung des nächsten Festivals 4020 sowie des LINZFESTS 2012 im Sinne einer Geschlechtersymetrie realisiert wird und diesbezüglich Künstlerinnen in den unterschiedlichsten Genres und Bereichen auf allen Bühnen präsent und sichtbar gemacht werden.

Mit freundlichen Grüßen
FIFTITU%
30. Juni 2011

Kulturpolitisch