¶BuchFrauen - Kultur / Frauen: Bausteine und Beispiele zur weiblichen Teilnahme am KulturbetriebElisabeth Rathenböck, Irene Faehndrich, Eva-Maria Kósa
”Frauen - Kultur/Frauen” (Frauen - Kultur durch Frauen), eine wissenschaftliche Untersuchung im Auftrag der KUPF-Kulturplattform Oberösterreich, ist der erste Baustein der neuen KUPF-Studienreihe. Ein Beginn, der auch Symbol für einen Aufbruch innerhalb der Kulturplattform sowie in anderen Kulturbereichen sein soll. Die Teilnahme und besonders die öffentlich wirksame Partizipation der Frauen im Kulturbetrieb liegt eigentlich über alle Kunst- und Kulturbereiche hinweg stark im Argen, wie durch die vorliegende Forschungsarbeit einmal mehr aufgezeigt wird. Es gilt die Regel der umgekehrten Proportionalität: Je mehr Ehre damit verbunden ist, desto weniger Preisträgerinnen oder Projektleiterinnen. Je höher die Summe eines Preises bzw. eines Verdienstes, desto niedriger der Frauenanteil. Auf der anderen Seite sind die Frauen überproportional vertreten: sie stellen die Hälfte der Rezipienten bei Kulturveranstaltungen. Sie engagieren sich beträchtlich ehrenamtlich und sind in all jenen Bereichen stark vertreten, die zu den ”vermittelnden” Tätigkeiten gerechnet werden können. Frauen sollten aus dieser Situation Konsequenzen ziehen, vorerst einmal vielleicht mit der Überlegung: ”Wie würde Kultur (für uns alle) ablaufen und erscheinen, wenn sie von Frauen gestaltet ist?” Auf die Uberlegungen sollen Taten folgen. Nur das Aktivsein, das Handeln in eigener Sache, kann Veränderungen bewirken. Das Einfordern einer entsprechenden Frauenkultur-politik wie auch die selbstbewußte Präsentation der eigenen Arbeit in der Öffentlichkeit gehören hier ebenso dazu wie der Aufbau eines Frauen-Kultur-Netzwerks. Wer sich ”so typisch weiblich” im vorauseilenden Gehorsam übt, wird nicht viel bewegen. Leider bescheinigt die ebenfalls durchgeführte Befragung von Kulturarbeiterinnen eher die ”Gehorsamssituation” bzw. die weibliche Aufopferung im Dienst an der Sache als Status Quo, als Regelfall auch innerhalb der Kulturszene. Weiters zeigt die Studie exemplarisch Situationen auf, in denen sich frau immer wieder selbst entdecken kann. Diese Situationsbeschreibungen, großteils aus dem Jahr 1996, also brandaktuell, machen betroffen und lassen auch verstummen, wie beispielsweise die folgende Aufforderung im Rahmen einer Pressekonferenz als Antwort auf die Frage, welche Künstlerinnen bei einer Ausstellung über 100 Jahre Kunst in Österreich ”ihr” Land vertreten: ”Nennen Sie mir eine, die für die Kunst in Österreich Wesentliches geleistet hat. Nennen Sie mir Namen, die qualitativ gemessen Impulse gaben.” Da die Kulturarbeit der Kulturinitiativen, die in der KUPF versammelt sind, als elementarer und bewußtseinsbildender Baustein der gegenwärtigen Gesellschaft betrachtet werden muß, wird die Artikulation der ”Frauenfrage” und Beschäftigung damit tiefere Bewußtseinsprozesse auslösen - hoffentlich!