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Im Dschungel der Gefühle: Expeditionen in der Niederung der Leidenschaft

Die zivilisatorischen Errungenschaften im ausgehenden zweiten Jahrtausend können sich sehen lassen: Blitzende Einbauküchen und Toilettenkomfort, Uberschallflugzeuge und Bach im CD-System, soziale Marktwirtschaft und amnesty international. Wir hoffen: Zivilisation hat auch etwas mit der Zivilisierung von Menschen zu tun, mit Abnahme der Gewalt, zumindest der offen gezeigten. Irrtum. Denken und Verhalten der Menschen richten sich vielfach noch nach den Gesetzen des Dschungels: «Ein Mann erdrosselt zwei Frauen, weil sie ihm sexuelle Beziehungen verweigerten.» «Ein vierzigjähriger Beamter erwürgt seine Frau nach einem Familienstreit. Danach tötet er den fünfjährigen Sohn, um ihn als ”’ Zeugen”‘ aus dem Weg zu räumen.» «Harald T. versuchte dreimal seinen Stiefvater mit einer Axt zu erschlagen. Die Polizei ließ ihn laufen. Beim viertenmal war der Stiefvater tot.» Im Bereich der zwischenmenschlichen Beziehungen weicht die kühle Vernunft einer dumpfen Irrationalität. Der Anlaß steht in keinem Verhältnis zu der Tat. Wegen des verbrannten Schnitzels wird die Frau zu Boden geschlagen, wegen des behutsamen Vorschlags der vorübergehenden Trennung die Freundin stranguliert. Dramen spielen sich ab in Schlafzimmern mit Wolkenstores und vor eichenfurnierten Schrankwänden. Männer erheben die Knochen-keule und schleifen die Frauen an den Haaren in die Höhle. Immer wieder nur die Männer? Ja, nur selten setzen Frauen körperliche Gewalt ein, um den anderen zu beherrschen. Nur selten auch würden ihre Kräfte dazu ausrei249chen. Aber zu lange tolerieren sie Gewalt, gehen zurück, wenn die Würgemale nicht mehr sichtbar sind und der Mann nur verspricht, sich zu bessern. Die Opferhaltung als ständige Provo-kation? Traurig, aber wahr: Abschreckung, Vergel-tungsschläge, Gleichgewicht des Schreckens, diese Begriffe aus dem militärstrategischen Vokabular können auch für den Geschlechterkampf hilfreich sein. Die eigenen Interessen deutlich machen, klarstellen, was passieren wird, wenn sie mißachtet werden, eindeutig rea-gieren, wenn das geschieht. Verständnis und Liebe, bitte ja, aber auf beiden Seiten. Doch es ist wieder schick, kompromißlos leidenschaftlich zu sein. Die Ideologie der neuen Machos verhöhnt Gleichmaß und Freundschaft; Frauenver-achtung und Brutalität kommen mit lockeren Sprüchen in modischen Zeitschriften «für den Zeitgeist» daher. Viel erlebt und nichts begrif-fen? Cheryl Benard und Edit Schlaffer untersuchen das Gewaltpotential, das so oft menschliche Beziehungen bestimmt. Was läuft ab zwischen Mann und Frau, zwischen Eltern und Kin-dern? Was sind das für Menschen, die da in den Strafanstalten einsitzen? Monster und Bestien, wie die Boulevardpresse uns glauben machen will, oder blasse Durchschnittsbürger mit Rentenanspruch? Cheryl Benard, geboren 1953 in New Orleans/ USA, und Edit Schlaffer, geboren 1950 im Bur-genland/Österreich, leiten als Sozialwissen-schaftlerinnen die «Ludwig-Boltzmann-For-schungsstelle für Politik und zwischenmenschliche Beziehungen» in Wien.
Angaben zum Werk
Autor*innen Cheryl Benard, Edit Schlaffer
Verlag Rowohlt Verlag GmbH
Erscheinungsort Reinbek bei Hamburg
Erscheinungsjahr 1987
Umfang 249 Seiten · Taschenbuch
Sprache Deutsch
ISBN 9783498005078
Praktisches
Vor Ort einsehbar & ausleihbarIn der FIFTITU%-Bibliothek, Domgasse 14, 4020 Linz — während der Öffnungszeiten.
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