¶BuchDer Mann auf der Straße: Über das merkwürdige Verhalten von Männern in ganz alltäglichen SituationenCheryl Benard, Edit Schlaffer
Zu diesem Buch Der Mann ist ein wissenschaftlich unerschlossenes Gebiet, man weiß beinahe nichts über ihn. Schon bei der Sammlung empirischer Daten tauchen die ersten Probleme auf. Der Mann weicht den Ermittlungen immer wieder aus. Frauen sind da im Vergleich ein leichtes Objekt. Nie findet man sie dort vor, wo sie nicht hineinpassen. Zum Beispiel in Nachrichten, Parlamenten, Wirtschaftsde-legationen. Nein, in sie kann der Soziologe sein Vertrauen legen. Hier gibt es keine unliebsamen Überraschungen. Dagegen die Männer. Von Frauen wird behauptet, daß die patriarchale Denkart sie in zwei Kategorien teilt: Tugend und Verführung, Maria und Eva, Mutter und Hure. Bei oberflächlicher Betrachtung fällt auch bei den sich darbietenden Männlich-keiten eine deutliche Zweiteilung auf. Einerseits gibt es anscheinend exaltierte, auf Geist und Intellekt konzentrierte Männer, die nur aus denkendem Kopf, federführender Hand und eloquentem Mund bestehen - man sieht sie allabendlich in den Nachrichtensendungen, tagsüber in Parlamenten, Universitäten, Vor-standssitzungen. Wenn man sie hier beobachtet, gewinnt man den Eindruck, daß sie sich untereinander nicht sehr mögen. Sie geben an. Zeigen keine Regungen. Bekämpfen sich. Trotzdem wollen sie unbedingt unter sich bleiben, obwohl sie sich nicht leiden können. Das ist schon einmal seltsam. Aber neben diesen adrett grau gekleideten Eminenzen unseres Alltags gibt es noch eine zweite Männergruppe. Von Kindheit an wird man vor diesen aggressiv fordernden Triebwesen gewarnt, die einen in Autos und Wohnungen überfallen. Zwischen diesen beiden Männergattungen kann anscheinend keinerlei Verbindung bestehen. Doch bei genauerer Analyse verwischen sich jegliche Grenzen. Es gibt Geistesgrößen in weißen Laborkitteln oder Helden in Air Force-Uniformen, die sich zum Mond katapultieren lassen. Doch was tun sie? Sie stellen dort Fahnen auf. Bringen kleine Steinchen zurück. Handelt es sich bei diesem Verhalten um das Kind im Manne? Die Vielfalt des männlichen Charakterbildes macht es der Forschung schwer. Dem Frauenauge präsentieren sich glatte Formen. Männer unter sich verstummen und hinterlassen nur die Spur eines anzüglichen Grinsens, wenn «Damen» den Raum betreten; ständig öffnen ihnen Männer die Türen, bezahlen ihnen kleine Mokkas, flüstern ihnen im Vorübergehen Obszönes zu, singen im Radio pausenlos über die Liebe. Ob das alles noch normal ist? Anmerkungen und ausführliche Beobachtungen dazu finden Sie in diesem Buch.