Neubestellung des Landeskulturbeirates

FIFTITU% protestierte am 15. November 2001

gegen die unglaubliche nicht-paritätische Neubestellung des Landeskulturbeirats.

Presseaussendung

Linz, 15.November 2001

Kaum zu glauben!

"Engagement, Sachverstand und Kreativität der Frauen sind für die Zukunft unseres Landes unverzichtbar. Wir müssen daher entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, damit Frauen in allen Lebensbereichen
ihre Fähigkeiten einbringen können."

LH Dr. Josef Pühringer, Zitat aus einem Folder des Büros für Frauenfragen OÖ

Wie der Verein FIFTITU% letzte Woche erfahren hat, wurde jetzt der neue Landeskulturbeirat bestellt. Dieses Gremium wurde als Beratungsgremium für den Landeskulturreferenten Landeshauptmann Josef Pühringer geschaffen und wird alle 4 Jahre neu besetzt.

Durch Initiativen von aktiven Frauen in der Kulturszene (v.a. FIFTITU%, KUPF, MAIZ) konnte vor mehr als 1 1/2 Jahren erreicht werden, dass in die gesetzliche Grundlage eine "Soll-Bestimmung" für eine Parität der Geschlechter aufgenommen wurde, d.h. dass 50% der Mitglieder dieses Gremiums Frauen sein sollen, siehe OÖ. Kulturförderungsgesetz über den Landeskulturbeirat (v.a § 7 Absatz 5): "Bei der Zusammensetzung des Landeskulturbeirates und der Fachbeiräte ist eine Ausgewogenheit von männlichen und weiblichen (Ersatz-)Mitgliedern anzustreben". (Anm: LGBl.Nr. 58/2000)“

Nun wurden die neuen Mitglieder des Landeskulturbeirats vom Landeshauptmann bestellt. Bei den ordentlichen Mitgliedern handelt es sich um 22 Männer (81%) und nur 5 Frauen (19%); zum Vergleich: in der letzten Funktionsperiode waren 76% Männer und 24% Frauen vertreten. Bei den Ersatzmitgliedern, die nur dann stimmberechigt sind, wenn das entsprechende ordentliche Mitglied ausfällt, wurde offensichtlich auf die Parität wert gelegt – soviel zur Wertigkeit von Frauen durch den Landeshauptmann und die Landeskulturdirektion.

Für uns ist es unglaublich, dass es im Jahr 2001 noch möglich ist einen Beirat durch die Landesregierung derart zu besetzen ohne einen Sturm der Entrüstung bei der Landtagspräsidentin, im Büro für Frauenfragen OÖ, bei den Landesparteien und in den Medien auszulösen.

Der aktulle Frauenbericht 2000 des Büros für Frauenfragen OÖ spricht von "schlechten Chancen für Frauen trotz gestiegener Qualifikationen“ – die Neubesetzung des LKB ist ein Beispiel dafür.

Der Verein FIFTITU% hatte bereits im Frühsommer Vorschläge von über 30 kompetenten Frauen eingebracht. Auch die KUPF-Kulturplattform OÖ hat bei Ihren Vorschlägen 50% Frauen vorgeschlagen.

Da nützt es auch wenig wenn der Oö. Landtag am 5. Juli 2001 folgenden Beschluss gefasst hat:

"Das am 28. Jänner 1999 vom Oö. Landtag verabschiedete Leitbild für die Erarbeitung von Normen wird um den Gesichtspunkt des "Gender mainstreaming" ergänzt.“ Der Landeshauptmann setzt sich über getätigten Aussagen (siehe oben) und Beschlüsse hinwegsetzt, aber bei Gesprächen mit FIFTITU% betont er immer wieder wie schwierig es ist Frauen für leitende Positionen zu gewinnen.

Es hat auch wenig Sinn, für das Jahr 2002 das Jahr der Chancengleichheit für Frauen in OÖ auszurufen -

FIFTITU% wird am 16. November ’01 bei der konstituierenden Sitzung des Landeskulturbeirates die ordentlichen, männlichen Mitglieder des LKB auffordern zu Gunsten ihrer weiblichen Kolleginnen ihr Mandat zurückzulegen.

Herta Gurtner
Geschäftsführerin von FIFTITU%