Direkt zum Inhalt

"One Billion Rising" - Tanzen gegen Gewalt an Frauen

"One Billion Rising" - Tanzen gegen Gewalt an Frauen

Frau stelle sich vor, alle Frauen verlassen zur gleichen Zeit ihren Arbeitsplatz oder ihre Häuser und gehen auf die Straße, um zu tanzen. Das alles tun sie, um auf Gewalt gegen Frauen hinzuweisen. Das ist die Vision von "One Billion Rising".

Der Aktionstag gegen Gewalt an Frauen fand am 14.Februar weltweit statt.

"Der größte feministische Tsunami der sich je ereignet hat!"
Kommentar - Plattform 20000frauen

In Linz trafen sich viele Frauen und Männer um 12.00 Uhr auf dem Martin-Luther-Platz und tanzten gegen Gewalt an Frauen.

One Billion Rising in Linz auf Dorf-TV

"One Billion" by Berlin hip-hop artist sookee

"Ein wunderschönes Video vom Byron Bay aus Australien!

"Videos ansehen aus der ganzen Welt - www.onebillionrising.org

"Artikel - diestandard.at vom 30. Jänner 2013

---------------------

Kritikpunkte - die in diesem Zusammenhang zu bedenken sind, und nächstes Jahr an die Veranstalter_innen weitergeleitet werden sollten:

Stellungnahme maiz:

Wir von maiz machen doch nicht bei der Aktion in Linz mit! Dies aus dem Grund, dass wir (zusätzlich zu der bereits geäußerten Kritik, siehe unten) heute Informationen bekommen haben, dass die Bewegung "One Billion rising" international von abolitionistischen Ansätzen geprägt, bzw. instrumentalisiert wird.

Zur Erklärung: Der abolitionistische Ansatz in Bezug auf Sexarbeit definiert die Tätigkeit selbst als sexuelle Ausbeutung und Eingriff in die Menschenrechte. Die Vermischung von Sexarbeit, Frauenhandel und Gewalt, die dank abolitionistischer Haltungen selbstverständlich geworden ist, muss in Hinblick auf die Selbstbestimmung der Sexarbeiter_innen überdacht werden. Die Probleme der Ausbeutung, Stigmatisierung und Kriminalisierung sind nicht einzigartig für dieses Beschäftigungsfeld, sie können jedoch nur durch Selbstorganisationen, die sich für die Rechte der Sexarbeiter_innen einsetzen, und die gleichzeitige Entkriminalisierung auf rechtlicher Ebene bekämpft werden. Denn es gilt, mit den Worten des Globalen Netzwerks für Sexarbeitsprojekte: "only rights can stop the wrongs!" (Mineva, 2012: "http://ausreisser.mur.at/ausgaben/44-jaen-feb-11/sexarbeit)
Anti-Prostitutions- und Anti-Migrationspolitik haben erfahrungsgemäß eine negative Auswirkung auf die Rechte der in der Sexarbeit Tätigen. Weder die Nichtanerkennung noch das Verbot von Sexarbeit haben das Wachstum des Sektors verringert. Eine moralistische Sichtweise auf Sexarbeit ignoriert lediglich die Lebensrealität vieler Frauen (sowie Transgender und Männer). Repressive Politik hinsichtlich Migration, der öffentlichen Ordnung und Moral haben zu einer größeren Verletzbarkeit der Sexarbeiter_innen mit all ihren negativen Konsequenzen für ihre Gesundheit und Sicherheit geführt (Caixeta, 2011: http://versorgerin.stwst.at/artikel/nov-22-2011-1455/jenseits-eines-voyeuristischen-blicks).

Wir lassen uns nicht instrumentalisieren!

Mit feministischen, kämpferischen, rebellischen Grüßen

die maiz-Frauen

---------------------

Stellungnahme von GLADT e.V. 
zu "One Billion rising", Berlin, den 07. Februar

Am 14.2.2013 ruft V-Day, eine internationale Kampagne gegen Gewalt an Frauen* und Mädchen* mit "One Billion Rising" dazu auf, sich weltweit gegen sexualisierte Gewalt an Frauen* zu stellen und Aktionen durchzuführen.

In Deutschland erlebt laut den Daten des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) jede vierte Frau sexualisierte Gewalt.
Vergewaltigungen werden selten angezeigt und noch seltener führen sie zu einer Verurteilung, wie sich im September vergangenen Jahres zeigte. So wurde der Täter nicht verurteilt, da die 15-jährige sich nicht "ausreichend gewehrt" habe. Zudem haben vor kurzem zwei katholische Krankenhäuser einem Vergewaltigungsopfer die Behandlung
verwehrt. Vor dem Hintergrund dieser Ereignisse und der alltäglichen Trivialisierung sexualisierter Gewalt mit einer einhergehenden Täter-Opfer Umkehr, sind Initiativen wie "One Billion Rising" nur zu begrüßen.

Auf der Startseite der Kampagne ist ein Video von der Initiatorin Eve Ensler zu sehen, welches auf die Problematik aufmerksam machen soll.
Jedoch werden dabei sämtliche rassistische Stereotype reproduziert:
Schwarze Frauen und Women of Color sind ausschließlich diejenigen, die sexualisierte Gewalt erfahren und Schwarze Männer / Men of Color ausschließlich diejenigen, die sie ausüben. So wird zum Beispiel eine Schwarze Frau gezeigt, die von einem Schwarzen Mann vergewaltigt wird. Damit werden rassistische Stereotype festgeschrieben, die eine lange
Tradition haben, wie das des "sexuell triebhaften" Schwarzen Mannes.

Die einzige Muslima, die in dem Video vorkommt, befindet sich in der Wüste und trägt ein Kopftuch, zu sehen ist ihr von Säure verätztes Gesicht. Auch hier werden sämtliche antimuslimische Ressentiments bedient: Muslima werden von ihren Männern unterdrückt, gesteinigt-oder aber ihr wird das Gesicht mit Säure übergossen. Das Setting der Wüste unterstreicht bereits bestehende Bilder einer vermeintlichen Unterentwicklung, die Menschen muslimischen Glaubens seit Beginn der Kolonialisierung zugeschrieben wird.

Die einzige weiße Frau, die in dem Video gezeigt wird, befindet sich in einem modernen Büro und wird von ihrem Chef am Hals gestreift, was sicherlich auch gewaltvoll, aber nicht mit den anderen Vorkommnissen zu vergleichen ist. Darüber hinaus wird durch diese Szene auch die vermeintlichen Klassenzugehörigkeiten und Berufsfelder stereotyp
reproduziert: Weiße Frauen sitzen ordentlich gekleidet im Großraum-Büro, während Schwarze Frauen Wasser holen und Women of Color ohne jegliche Tätigkeit in der Wüste laufen...

Gewalt an Frauen* und der dieser zugrunde liegende Sexismus ist ein Problem, welches ein weltweites Phänomen ist und keines, was nur Länder des Globalen Südens betrifft. Sexualisierte Gewalt wird definitiv nicht ausschließlich von Schwarzen Männern/ Men of Color ausgeübt. Dies wird leider im Video impliziert. Zudem werden die Erfahrungen und Realitäten von lesbischen, bisexuellen, queeren Frauen* und Trans*personen ausgelassen - sie kommen in dem Kurzfilm von Eve Ensler zumindest nicht explizit nicht vor. Gleiches gilt für Frauen* mit Behinderungen.

Frauen* erleben und überleben sexualisierte Gewalt. Jedoch sind wir nicht alle gleich: Einige von uns erfahren gleichzeitig auch Rassismus, Klassismus, Homophobie, Transphobie und weitere Diskriminierungen. Wir begrüßen es sehr, weltweit gegen sexualisierte Gewalt aufzurufen, Sexismus zu bekämpfen ist ein wichtiger Schritt,
um alle Formen der Unterdrückung abzuschaffen. Aber: Sexismus lässt sich nicht mit Rassismus bekämpfen, denn:
"Since all forms of oppression are linked in our society because they are supported by similar institutional and social structures, one system cannot be eradicated while the others remain intact (hooks 1984:37).

(Da alle Unterdrückungsformen in unserer Gesellschaft miteinander verbunden sind, weil sie durch ähnliche institutionelle und soziale Strukturen aufrechterhalten werden, kann nicht ein System beseitigt
werden, während alle anderen intakt bleiben) Es ist interessant und wichtig für uns, wie Sie mit unserer Kritik umgehen. Wenn wir davon ausgehen, dass diese Kampagne jährlich stattfinden wird, ist die Vorstellung, dass nun jährlich zum Valentinstag rassistische Stereotype reproduziert und somit auch geschürt werden, untragbar.
Wir freuen uns auf Ihre Gedanken.
Info [at] GLADT.de